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50 Jahre Gropiusstadt

20.03.2012

Alles Gute zum Geburtstag: 50 Jahre Gropiusstadt

Vom Acker zur Großraumsiedlung
In diesem Jahr 2012 wird unser Stadtteil 50 Jahre alt. Am 7. November 1962 legte der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt, zusammen mit dem Architekten Walter Gropius den Grundstein für die neue Siedlung im Süden Neuköllns.

Auf einer unbebauten Ackerfläche zwischen Britz, Buckow und Rudow sollte sie entstehen, neu und hochmodern werden. Der berühmte Architekt Walter Gropius mit seinem Architektenbüro The Architects Collaborative (TAC) wurde 1958 mit der Planung betraut. Der ursprüngliche Entwurf sah 14.500 Wohnungen vor. Da aber 1961 die Mauer gebaut wurde und man sich nun in der Fläche nicht weiter ausdehnen konnte, wurden aus den ursprünglich geplanten 14.500 Wohnungen 19.000 Wohneinheiten. Und entgegen den ursprünglichen Planungen von Walter Gropius für wenige höchstens 14-geschossige Gebäude wurde die Gropiusstadt wirklich hochmodern – im wahrsten Sinne des Wortes: Das höchste Hochhaus ist das Ideal-Wohnhaus in der Fritz-Erker-Allee mit 30 Stockwerken, eines der höchsten Wohnhäuser Europas. Den Plänen von Walter Gropius wurde nicht geschlossen entsprochen, sie wurden vom Senat und mehreren anderen Planern und Architekten verändert, so dass die Gropiusstadt nur teilweise seinem Konzept entspricht. Aber sie trägt seine Handschrift: Mit halbrunden Bauten, abwechselnd höheren und niedrigen Häusern und viel Grün. Und ist wegen ebendiesem Baustil eine der bekanntesten Großwohnsiedlungen der Welt.
Was als Großsiedlung heute eher einen schlechten Ruf hat, war in den 60er Jahren der letzte Schrei. Helle Wohnungen mit Zentralheizung und Einbauküche, dazugehörige Waschhäuser, in jeder Etage Müllschlucker, Hausmeister, die sich kümmerten und Wolkenkratzer-Feeling mit weitem Blick ins Grüne über den Stadtrand hinaus – das zog viele junge Familien in die Gropiusstadt. Viele von diesen Erstbewohnern leben heute noch hier und können Geschichten von der Gründungs- und Bauphase erzählen: Als der Lärm von Baggern, der Anblick von Steinhaufen und Bauzäunen Alltag war und man zusehen konnte, wie ein neuer Stadtteil entstand. Unser Bezirksbürgermeister von Neukölln, Heinz Buschkowsky, hat auf den Feldern, wo jetzt unsere Hochhäuser stehen, als Kind noch Kartoffeln „gestoppelt“.
Als die Aufbruchstimmung vorbei war, kamen in den 80ern dann etwas schwierigere Zeiten – viele Wohnungen wurden zu Sozialwohnungen, und Besserverdienende zogen weg. Die Geschichte von Christiane F. hat damals für einen schlechten Ruf gesorgt, der dem Stadtteil nie gerecht wurde. Im Vergleich zu den Innenstadtbezirken oder den östlichen Stadtrandsiedlungen ist es hier heute eher ruhig als gefährlich. Wirklich laut ist es nur Silvester – da dann allerdings bis zur Schmerzgrenze: Werfen doch die meterhohen Häuserwände den Schall entsprechend zurück. Natürlich gibt’s auch dreckige Ecken und Ärgernisse, wie Hundedreck, grölende „Freilufttrinker“, Schmierereien und Vandalismus. Aber es gibt auch die andere Seite: Die Gropiusstadt ist eine einmalige Mischung aus hohen und niedrigen Bauten, durchwachsen und umgeben von sehr viel Grün und mit Inseln der Menschlichkeit. Hier gibt es unter anderem engagierte Schulen, Kinder- und Jugendzentren mit Herz und Musik, ein warmherziges Frauen-Café, ein einmaliges Gemeinschaftshaus, ungewöhnliche Kirchen (eine knallorangefarbene, eine mit Dreizack und eine mit Flachbildschirm-Glockenturm!) und die trubeligen Gropius-Passagen, Berlins größtes Einkaufszentrum. Es sind spannende Gegensätze, die man hier finden kann, wenn man hinschaut: Hoch und tief, alt und modern, bürgerlich und HipHop, Grau und Grün. Aber auch das immer selbstverständlichere Miteinander der Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, die die Gropiusstadt so einzigartig und liebenswert machen.

Hoch soll sie leben
Machen wir einen kleinen Geburtstagsspaziergang: Auf dem ehemaligen Mauerstreifen, der die Gropiusstadt bis 1989 begrenzt hat, kann man wunderbar spazieren gehen. Diese Stadtrandbrache ist ein verwunschenes Naturparadies geworden. Die Schienen der alten Mittenwalder Kleinbahn verlaufen immer noch durch die südliche Gropiusstadt. Wenn man an ihnen entlangläuft, gelangt man in das sogenannte Vogel(schutz)wäldchen. Am Weg liegt einer der beiden großartigen Abenteuerspielplätze der Gropiusstadt, mit Schafen, selbstgezimmerten Hütten und schwindelerregenden Seilbrücken. Das Vogelwäldchen stößt in östlicher Richtung auf den Wildmeisterdamm. Dort steht auch das Gropiushaus, das bekannteste Gebäude der Gropiusstadt, ein beeindruckender, riesiger halbrunder Bau nach Gropius Plänen mit Zimmern, die sich zum halbrunden Innenhof hin verjüngen.

Der Wildmeisterdamm wurde nach dem königlich-preußischen Wildmeister Hugo Luther benannt, der Ende des 19. Jahrhunderts dafür sorgte, dass der Grund, auf dem heute die Gropiusstadt steht, zur Kaiserzeit ein berühmtes Jagdrevier wurde, in dem die damalige Prominenz Rebhühnern, Trappen und Hasen nachstellte. Der Wildmeisterdamm führt heute als baumgesäumte Allee mitten durch die Gropiusstadt und verbindet die architektonische Moderne mit ihren Wurzeln in der Vergangenheit. Das ist auch in der Goldammerstraße so: Dort steht mitten zwischen Hochhäusern die älteste erhaltene Windmühle in ganz Berlin, die Jungfernmühle. Sie stand schon hier, als ringsherum nur Felder waren. Im Sommer sitzt man hier wunderbar in dem kleinen Biergarten zwischen den modernen Mehrfamilienbauten, über sich die riesigen alten Mühlenflügel.

Typisch für die Gropiusstadt sind auch die Waschhäuser. Früher zum gemeinsamen Wäschewaschen benutzt, sind die meisten von ihnen heute Nachbarschaftstreffpunkte geworden – kleine Oasen der Geselligkeit – und beherbergen unter anderem ein waschhaus-café, einen Elterntreffpunkt, das Selbsthilfe- und Stadtteilzentrum Neukölln Süd und das Frauen-Café. Durch die ganze Gropiusstadt zieht sich übrigens ein Fitness-Pfad, die Gropiusmeile. Mit zwei großen und mehreren kleinen Stationen mit vielen unterschiedlichen Geräten zum Trainieren und Entspannen. Der Blick geht in der Gropiusstadt immer von unten nach oben, wenn man durch die Straßen läuft und ist man in den Häusern - von oben nach unten. In der Gropiusstadt gibt es Perspektiven! Ab dem 10. Stock aufwärts wird der Blick weit, der Wind rauher und man ist den Sternen näher. Das hat Auswirkungen auf die Seele! In diesem Sinne: Ein Hoch auf die Gropiusstadt - herzlichen Glückwunsch!!

Heute leben 35.898 Menschen in der Gropiusstadt, und die meisten gern. Aber ein bisschen mehr los könnte hier schon sein – und das wird es auch in diesem Jahr: Der Halbjahrhundertgeburtstag der Gropius­stadt wird natürlich gebührend gefeiert. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit war Schirmherr der Jubiläums-Aktivitäten und die Eröffnungsrede am Haupttag der Festlichkeiten hielt Michael Müller, Bürgermeister und Senator für Stadtentwicklung und Umwelt.

2012 steppt der Bär in der Gropiusstadt – und alle Gropiusstädter haben auf jeden Fall Logenplätze!

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