
Mitmach - Circus
Das QM-Projekt Mitmach-Circus findet schon zum 3. Mal für Gropiusstädter Kinder statt, jedesmal ein bisschen anders als im Vorjahr. Das Projekt soll vor allem sozial benachteiligten Kindern aus der Gropiusstadt zugute kommen. Aus verschiedenen Kinder- und Jugendeinrichtungen können die Kinder eine Ferienwoche lang gemeinsam trainieren, betreut von den Pädagogen der Einrichtungen. 2010 waren Kinder aus dem Kinderclubhaus Zwicke, dem Familienzentrum Manna, den Lipschitzkids, dem UFO, der Projektwerkstatt und der Stadtvilla Global dabei. Sie haben Jonglieren gelernt, Trapez, Bodenakrobatik, auf Scherben laufen (!). Sie sind über sich selbst hinausgewachesen, Schüchterne sind zum ersten Mal ins Rampenlicht getreten. Beim Mitmach-Circus wird Ihnen etwas zugetraut und abverlangt. Und zuerst müssen sie lernen, sich an die Regeln zu halten. Jede Gruppe hat ihre Aufgaben und übt zu bestimmten Zeiten. Die Trainer sind die Mitglieder der Circusfamilie: Marco, Julia und Dennis Mondeo und der Direktor selbst, Gerhard Richter. Sie haben eine einmalige Art, mit den Kindern umzugehen. Liebevoll, lustig, und streng, wenn es sein muss. Und die Kinder bewundern ihre Trainer, den starken Marco, der Mann mit den breitesten Schultern Neuköllns, der ein Kind mit einer Hand in die Luft stemmen kann. Und alle wollen sein wie der blonde Dennis Mondeo, wenn er unter der Zirkuskuppel am Trapez arbeitet, sind alle fasziniert.
„Kinder brauchen Regeln, aber am wichtigsten ist es, sie zu loben. Dann strengen sie sich gerne an, können über sich hinauswachsen und Dinge tun, die sie sich vorher nie zugetraut hätten. Das ist eine Erfahrung, behält man fürs ganze Leben.“ Sagt Gerhard Richter. Er führt das Mitmach-Circus-Projekt seit vielen Jahren immer wieder mit Neuköllner Schülern durch. „Aber diesmal war es was ganz Besonderes. Das gemeinsame Mittagessen mit allen Kindern und Betreuern zusammen, nach getaner ‚Arbeit’, das hat zu einer sehr schönen Stimmung beigetragen. Und ich möchte auch die Betreuer loben, sie haben sich alle sehr gut gekümmert, und das Projekt war gut vorbereitet. So konnten wir wirklich optimal mit den Kindern arbeiten und hatten eine sehr schönes Gemeinschaftserlebnis!“
Hundert Neuköllner Kids zusammen an drei Tischen, ohne sich zu streiten, dass muss man erst mal hinbekommen. Aber über das Projekt haben sich die Betreuer der Einrichtung noch besser kennengelernt und arbeiten jetzt schon Hand in Hand. So klappt das. Und das Essen schmeckt sehr gut, ist von dem Cateringservice Knofi aus Kreuzberg. Nach dem Essen geben die Trainer dann jeden Tag für die Kinder im Zelt eine kleine Vorführung ihres Könnens. Das motiviert noch mal richtig, denn dann wird noch ein bisschen weitertrainiert. Die Kinder wollen hier nämlich unbedingt was lernen und mitmachen. Das Beste ist nämlich, dass Zirkusarbeit wirklich allen Kindern Spaß macht, sie fordert und fördert Kinder auf eine Weise, die Ihnen absolut gerecht wird: „Herr Direktor, Herr Direktor, kuck mal, ich kann schon mit sieben!!“ (Reifen Hula Hoop)
Und genau diese Mischung aus liebevollem persönlicher Ansprache, der gemeinsamen Anstrengung, auf ein Ziel hinzuarbeiten und am Ende das Erfolgserlebnis, Teil einer richtigen Zirkusvorstellung zu sein und den Beifall von Eltern, Geschwistern und Besuchern zu bekommen, macht diese Ferien zu einer nachhaltigen Erfahrung für die Gropiusstädter Kinder.
Elternarbeit und mehr
„Wir haben letztes Jahr schon sehr positive Erfahrungen mit dem Circus-Projekt gemacht. Wir möchten Gropiusstädter Kindern, die sonst in den Ferien auf sich gestellt wären, ein attraktives und pädagogisch wertvolles Angebot machen. Im Zirkusprojekt erlernen die Kinder neue Fähigkeiten und ihr Körpergefühl wird bei dem artistischen Training geschult. Sie können hier Erfahrungen machen, zu denen sie sonst keinen Zugang hätten. Die Kinder sind ungeheuer stolz auf ihre Erfolge und wir haben das Gefühl, dass dadurch ihr Selbstbewusstsein sehr gestärkt wird. Außerdem lernen sie in den verschiedenen Trainingsgruppen andere Kinder aus den verschiedenen Gropiusstädter Einrichtungen kennen. Aber ein großer Schwerpunkt in diesem Jahr liegt bei der Elternarbeit. Wir hoffen, dass bei diesem Projekt die Erzieher der Einrichtungen auch mit Eltern in Kontakt kommen, die sie sonst eher nicht zu Gesicht bekommen. Es gibt diesmal ein Elterncafé, wo die Betreuer aus den Einrichtungen mit den Eltern der Kinder in näheren Kontakt kommen können, wenn sie ihre Kinder abholen. Und die Eltern können hier an ihren Kindern mal ganz neue Seiten entdecken und erleben, zu was für Leistungen sie fähig sind. Und obwohl es immer noch schwierig ist, bestimmte Eltern zu erreichen, hier ist ein Anfang gemacht!“
Zum Elterncafé kamen jeden Tag Eltern und unterhielten sich mit Erziehern, andere gaben ihren Kindern Kuchenspenden mit oder haben bei der Essensausgabe geholfen. Und der Opa von einem Jungen war die ganze Woche dabei, hat geholfen und zugeschaut.
Manege frei!
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kinder, hochverehrtes Publikum! Die Scheinwerfer zeichnen Sterne ins Sägemehl der Manege des Circus Mondeo und das Kostüm vom Direktor glitzert. Es ist soweit: Abschlussvorstellung vom Osterferien-Mitmach-Circus!
Eine ganze Woche lang hatten die Kinder aus der Gropiusstadt die aufregendsten Osterferien, die man sich denken kann – sie haben im Circus Mondeo trainiert, mit professionellen Artisten. Nadine zum Beispiel: Sie hat eine Weile gebraucht, bis sie den großen Rappen soweit hatte, dass er gemacht hat, was sie wollte - rückwärts gehen, im Kreis galoppieren. Dafür braucht man Selbstbewusstsein und man darf keine Angst haben. Dominique aus der Zwicke hat welche. Sie macht in der Trapezgruppe mit und ihr wird schon ganz schlecht, wenn sie nur hochschaut in die Zirkuskuppel. Sie glaubt noch nicht, dass sie sich das traut…
Die kleine Saskia aus dem UFO hat eine ganze Woche lang geübt, ein Clown zu sein. Und was für ein lustiger! Ihre Mimik und Gestik sind jetzt perfekt – als hätte sie nie was anderes gemacht. Der Direktor würde sie am liebsten dabehalten.
Zur großen Anschlussvorstellung am 9. April sind dann auch wirklich fast alle Eltern gekommen, das kleine Zirkuszelt platzte aus allen Nähten und die Stimmung war super. Auch Gabriele Vonnekold, die Jugendstadträtin von Neukölln, ist gekommen, um sich das Ergebnis des Ferienprojekts anzuschauen. Und alles hat wunderbar geklappt, die mutigsten Gropiusstädter Jungs haben sich mit nacktem Oberkörper auf Scherben gewälzt, die großen Mädchen haben sich auf dem Trapez kopfüber bis ganz oben unter die Zirkuskuppel gewagt, auch Dominique, sie hat gezittert, aber sie hat sich getraut. Und ist jetzt ganz glücklich und stolz. kleine Mädchen sind auf großen, wackeligen Kamelen geritten und die Jungs haben die gefährlichen Lamas (spucken!) bei der Oriental Show geführt. Clowns haben immerzu den Direktor geärgert und das Publikum zum Lachen gebracht. Der elfjährige Mirko ist einen Salto über 10 andere Kinder gesprungen, die nebeneinander auf dem Boden lagen. Er ist eigentlich ein ganz schönes „Kaliber“ (sagt der Direktor), aber hier hat er sich gut benommen und er hat eindeutig Riesentalent! Und auch Nadine hat’s geschafft, sie hat ihr Pferd Kraft ihrer Persönlichkeit in den Griff bekommen: Der riesige Rappe senkt auf Ihr Zeichen brav den Kopf zwischen die Vorderbeine bis fast auf den Boden. Sein schwarzes Fell glänzt im Scheinwerferlicht. Applaus! Zum Schluss bekommt jedes Kind persönlich eine Urkunde von Direktor Richter. Eine großartige Ferienwoche ist zuende, die Kinder haben viel gelernt und die Kinder sind aufgeregt und zufrieden. Und alle sind ein kleines Stück gewachsen!
Mitgemacht bei dem Erlebniscircus-Projekt haben:
Das Projekt wurde unterstützt und gefördert vom Quartiersmanagement Lipschitzallee / Gropiusstadt im Rahmen des Programms „Soziale Stadt“