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Karl-Heinz Peters, Gründer der Gropiusstadt

Karl-Heinz Peters - Gründer der Gropiusstadt

Ohne diesen Mann gäbe es sie nicht, wie sie ist und sie würde auch nicht Gropiusstadt heißen. Der Vorstand des gemeinnützigen Wohnungsunternehmens Gehag, Dr. Karl-Heinz Peters, war der Gründer unseres Stadtteils. Er wirkte eher im Stillen, aber er hat dem Senat Walter Gropius als Architekten vorgeschlagen und durch seine Initiative ist die Siedlung BBR – Britz-Buckow-Rudow entstanden und zur Gropiusstadt geworden.

Geboren 1912 in Stargard, Pommern, ist Karl-Heinz Peters einer der seltenen Menschen, die ein Jahrhundert erlebt haben: Zwei Kriege, mehrere Zeitenwenden, geänderte Sichtweisen, Moden, Sitten. Eine Brücke von 1912 bis heute: Sein Menschenleben.

1926 nahm ihn seine Mutter zum ersten Mal auf eine Reise nach Berlin mit, das den 14-jährigen damals schon so faszinierte, das er erklärte: „Hier möchte und will ich einmal später leben!“ Zuerst machte er aber eine Lehre als Kaufmann in Stralsund, wo auch seine Eltern mittlerweile lebten. Danach studierte er Jura in München, Berlin und in Greifswald. Durch eine Lungentuberkulose wehruntauglich, überstand er so den 2. Weltkrieg unbeschadet.

1941 kam er dann vor dem 2. juristischen Staatsexamen nach Berlin ans Kammergericht, das sich damals wie heute in der Elsholzstraße am Kleistpark befand. „Am 23.2.1942 zog ich endgültig nach Berlin um, um bis 1992 – im Herzen aber immer – dort zu bleiben“, schreibt er in seiner Autobiographie*. Als qualifizierter Jurist trat er dann als Mitglied der Geschäftsführung in die Reichswirtschaftskammer ein. Die Geschäftsführung hatte gute Kontakte ins Ausland und tiefere Einsichten in Wirtschaftszusammenhänge als andere. Dort machte man sich keine Illusionen über den Ausgang des 2. Weltkriegs für Deutschland.

Nach dem Krieg 1951 rettete Peters als Rechtsanwalt mit großem juristischem Sachverstand das damals unter alliierter Custodianverwaltung stehende gemeinnützige Wohnungsunternehmen GEHAG vor der Auflösung – er wurde zum Notvorstand berufen und 1953 dann alleinvertretungsberechtigter Vorstand.

Und 1955 entstand die Idee zu einer neuen Wohnsiedlung am Stadtrand. Das ganze Areal zwischen Britz-Süd und Zwickauer Damm war damals noch weitgehend Ackerfläche und Berlin brauchte Wohnungen. Peters schrieb am 12.12.1958, nachdem der Bau der Siedlung BBR beschlossene Sache war, an den damaligen Senatsbaudirektor Dr. Stephan: „Die Tatsache, dass es sich hier um eine der letzten, großen Planungen handelt, die in unserem Gebiet bis auf weiteres möglich sind, und alle Beteiligten Wert darauf legen, dass hier eine wirklich gute städtebauliche Lösung gefunden wird, hat […] die Absicht aufkommen lassen, mit der Suche nach dieser Lösung einen hervorragenden Architekten und Städtebauer zu beauftragen.“ Dabei hatten sie „[…] ‚natürlich’ an Professor Walter Gropius und The Architect’s Collaborative gedacht“.

So geschah es – und da die deutschen Planungsauffassungen und Regeln sich sehr von den amerikanischen (wo Gropius und seine Architekten TAC ihren Sitz hatten) unterschieden, wurde ein sogenannter Kontaktplaner hinzugezogen: Wils Ebert. 1961 war dann der Mauerbau, was zu ganz neuen Erfordernissen führte. Bei so einem großen Bauvorhaben kam es dann unvermeidlich zu Problemen – es wurde geplant, entworfen, gestritten, verworfen, neu geplant. Die Senatsverwaltung verlangte, auch Berliner Architekten und weitere Wohnungsbaugesellschaften an der Planung zu beteiligen. Das Gesamtgebiet wurde in mehrere Teilflächen aufgesplittet – jeweils unter anderer „Architektenhoheit“. Karl-Heinz Peters war als Gehag-Vorstand mittendrin und hat das Planungs-Chaos miterlebt. Die hinzugezogenen Architekten sollten eigentlich alle „der Planung von Gropius weitgehend folgen“. Das gelang aber nicht. Am 7. November 1962 wurde trotz alledem der Grundstein für die Gropiusstadt gelegt. Mit dem damaligen Regierenden Bürgermeister Willy Brandt, Walter Gropius und den Beteiligten von Senat und Bezirk stand Karl-Heinz Peters in der Baugrube des 1. Bauabschnitts zwischen Grünem Weg und Johannisthaler Chaussee und beaufsichtigte die Grundsteinlegung. Und er war es, der dem neuen Stadtteil den Wunsch mitgegeben hat, der in der Gründungsurkunde der Gropiusstadt steht, die bei der Grundsteinlegung in einer Kupferkassette vergraben wurde: „[…] concordia domi foris pax - Eintracht in den Häusern, den Plätzen Frieden.“

Heute liest man oft, dass Walter Gropius sich von der Gropiusstadt distanziert hat. Das ist so nicht richtig. Karl-Heinz Peters war als Vorstand der Gehag in alle Planungen involviert und hat viel mit Gropius gesprochen und korrespondiert. Er weiß vieles, von dem heute nicht mehr die Rede ist: Zwar entsprachen nur der 1. Gehag-Bauabschnitt der Gropiusstadt, der Grünzug, die U-Bahn-Unterführung, das Gropiushaus und die Walter-Gropius-Schule den ursprünglichen Plänen von Walter Gropius. Karl-Heinz Peters erzählt, dass die Bild-Zeitung im Juli 1967 brieflich Walter Gropius die Frage stellte, ob er sich denn nach den weit gehenden Änderungen überhaupt noch mit dem Konzept identifizieren könne. Walter Gropius hat das unter Einschränkung auf die „hauptsächlichen Planungsgrundzüge“ bejaht. Die Gropiusstadt trägt seine Handschrift – und deshalb zu recht seinen berühmten Namen. Walter Gropius starb bereits im Jahr 1969, vor der endgültigen Fertigstellung der Gropiusstadt.

Karl-Heinz Peters war eine Schlüsselfigur der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft. Er stand für den Verzicht auf Gewinnmaximierung, für Kostendeckung als Grundsatz und den Bau moderner Wohnungen mit tragbaren, sozial verträglichen Mieten. Leider musste er zusehen, wie sich „nach und nach […] ein ungehemmtes Gewinnstreben – allenfalls begrenzt durch die Nachfrage“ in der Marktwirtschaft durchsetzte. 1990 wurde die Gemeinnützigkeit in der Wohnungswirtschaft dann per Steuergesetz abgeschafft, DAG und DGB, beide Anteilseigner der Gehag, verkauften ans Land Berlin und dieses verkaufte im Zuge der Privatisierung das Unternehmen an die Hamburgische Landesbank. Karl-Heinz Peters war fassungslos über die folgende Entwicklung: „Dort wurden - vor dem Weiterverkauf zum Zwecke der Refinanzierung des Kaufpreises - aus den Mietern ‚Wirtschaftssubjekte’. Und als Grund für die Verkäufe wurde „Portfolio-Maximierung“ angegeben!“ schrieb er in seinen Gedanken zum 50. Jubiläum der Grundsteinlegung. Dieser „Abbau der Sozialen Marktwirtschaft zugunsten eines sich immer mehr ausbreitenden Ellbogenkapitalismus“ – missfiel dem Wirtschafts- und Rechtsexperten, der aufgrund seiner Jahrhundert-Erfahrung längerfristige Folgen beurteilen konnte, die andere noch nicht sehen konnten oder wollten.

Darüber hat Karl-Heinz Peters 2016 im Alter von 104 Jahren noch ein Buch geschrieben:  „Von der Gemeinnützigkeit zum Profit“.  Er beschreibt darin die Geschichte und den Niedergang der Gehag und untersucht exemplarisch die Geschäftsprinzipien der heute „Heuschrecken“ genannten Investoren. Laut Kurztext des VSA: Verlags,  in dem das Buch gerade erschienen ist, ist es  die „Geschichte eines beispielhaften gemeinnützigen Wohnungsunternehmens in Berlin und seines Untergangs – eine eindrucksvolle Mahnung für eine Änderung der Wohnungspolitik zugunsten der BewohnerInnen.“

Die Gropiusstadt liebte er sehr und er verteidigte ihre Bauweise und ihre (oft kritisierten) Hochhäuser und Wohnungen - die in jeder Hinsicht den durch Umfragen ermittelten damaligen Bedürfnissen der Bewohner entsprachen - mit den Worten von Mies van der Rohe: „Baukunst ist immer raumgefasster Zeitwille, nichts anderes.“

Karl-Heinz Peters ist hundertundfünf Jahre alt geworden – die Gropiusstadt ist halb so alt. Ihr Gründer ist Träger der Ernst-Reuter-Plakette für seine Verdienste beim Wiederaufbau Berlins nach dem Zweiten Weltkrieg und der Victor-Aimé-Huber Medaille des GdW Bundesverband deutscher Wohnungsunternehmen e.V.

In dem Grußwort zu Peters 100. Geburtstag 2012 lobte Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit seine große soziale Verantwortung. Karl-Heinz Peters war ein Würdenträger, der sich um Berlin verdient gemacht hat. In seiner Autobiographie zitiert Peters zum Schluss Friedrich den Großen: „Das Leben führt uns mit raschen Schritten von der Geburt zum Tode. In dieser Zeitspanne ist es die Bestimmung des Menschen, für das Wohl der Gemeinschaft, deren Mitglied er ist, zu arbeiten.“ Das hat Peters für Berlin und die Gropiusstadt getan.

Die Gehag ist heute ist mit ihrem verbliebenen Wohnungsbestand seit 2007 als Tochtergesellschaft bei der Deutsche Wohnen AG untergekommen. Karl-Heinz Peters wünschte der Gropiusstadt zum 50. Geburtstag „dass die neue Generation der Mieter in der Gropiusstadt sich trotz dem harten Übergang von der Gemeinnützigkeit zur „Portfoliomaximierung" in der Wohnungswirtschaft so wohl und heimisch und vor allem betreut fühlen können, wie die ersten Mieter, die überwiegend aus den ausgebombten Quartieren Berlins kamen.“

Text/Copyright: Undine Ungethüm

Quellen:

  • Karl-Heinz Peters: Auch ein Zeitzeuge - Autobiografie 1912–1999
    Frieling-Verlag, Berlin, ISBN 978-3-8280-1921-8
  • Die Gropiusstadt - Gedanken zum Jubiläum der Grundsteinlegung von Karl-Heinz Peters

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Sa 14.12.  18 Uhr
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