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Unterm Strich - zähl ich nicht!
Kategorie: Nachrichten
In der Gropiusstadt wurde die Postfiliale am Lipschitzplatz geschlossen. Es war die einzige im Stadtteil– nicht mal in den Gropiuspassagen, dem laut Eigenwerbung „größten Einkaufszentrum Berlins“ gibt es eine. Briefmarken kaufen, Überweisungen tätigen, Kontoauszüge abholen, Päckchen aufgeben, Geld abheben, sich beraten lassen – ab 19. Oktober „Rien ne va plus“ in der Gropiusstadt.
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Vor verschlossenen Türen...

Die Postfiliale war immer gut besucht, meistens musste man einen Moment in der Schlange warten. Die Gropiusstadt hat 35.000 Einwohner, viele davon sind Ältere. Um den Lipschitzplatz herum stehen viele Hochhäuser, einige davon sind Seniorenwohnhäuser, wie etwa das Haus Pommern oder das August-Gödecke-Haus. Für die vielen älteren Menschen ist die Schließung ihrer Post ein Schlag. Gerade dass man Bank- und Postgeschäfte an einem Ort erledigen konnte, ist für Menschen, die nicht mehr so mobil sind, sehr wichtig: Mit Geh-Hilfen zum Beispiel sind U-Bahn-Treppen meist nur in Begleitung möglich.

Warum schließt eine Filiale, die gut läuft?? Das versteht in der Gropiusstadt keiner. Die Menschen fühlen sich allein gelassen und zunehmend auf dem Abstellgleis. Mit der Schließung der Post wird der Lipschitzplatz noch mehr abgewertet. Schon jetzt ist er an den Tagen, an denen kein Markt ist, fest in den Händen der Trinkerszene. Wenn die Postkunden wegfallen, hat das auch direkte Auswirkungen auf den Wochenmarkt – die Händler verlieren ihre Kunden und der Platz verliert seine zentrale Funktion. Seit 2005 hat die Gropiusstadt ein Quartiersmanagement, das mit der Durchführung von sozialen Projekten und Bildungsinitiativen dem sozialen Abwärtstrend im Stadtteil entgegenwirkt. Das kann natürlich nur gelingen, wenn alle an einem Strang ziehen: Verwaltung, soziale und Bildungs-Einrichtungen, Wohnungsgesellschaften, Kultur und natürlich auch das Gewerbe.

Heike Thöne vom Quartiersmanagement ist sehr unglücklich über die Schließung: „Die zentralen Plätze haben für den Stadtteil eine große Bedeutung. Seit Jahren bemühen wir uns um die Belebung des Lipschitzplatzes. Wenn das Gewerbe nicht mitmacht, können wir hier keine notwendige Infrastruktur für die Menschen erhalten. Die Lebensqualität der Menschen verschlechtert sich, wenn sie nicht mehr zu Fuß einkaufen gehen oder Geld abheben können. Es ist auch wichtig, dass sich Wirtschaftsunternehmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind!“

Soziale Verantwortung: Nicht vorhanden

Wenn man bei der Post nachfragt, bekommt man zu hören, dass es ja genug andere Standpunkte gäbe, aber das sind eben nur Post-Stützpunkte in Zeitungsläden o.ä. ohne Möglichkeiten zum Geld abheben, Überweisungen tätigen oder Kontoauszüge abholen. Fragt man bei der Postbank, bekommt man zu hören, dass es unrentabel wäre, drei Filialen so dicht beieinander zu führen. Denn es gibt ja die neue schicke Filiale in der Gutschmidtstraße und eine in der Prierosser Straße in Rudow. Nur dass beide zwei U-Bahn-Stationen vom Lipschitzplatz entfernt außerhalb der Gropiusstadt liegen - für Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind, sehr weit weg.

Marina Krüger lebt mit ihren beiden Kindern in der Gropiusstadt, ihre Mutter wohnt in einem Seniorenwohnhaus am Lipschitzplatz. Dass die Post schließt, ist so ein gravierender Einschnitt für die Menschen, die hier leben, da wollte Frau Krüger nicht einfach zusehen, sondern etwas tun. Sie hat sich mit ihren Kindern (10 und 23 Jahre alt) auf den Lipschitzplatz gestellt und Unterschriften gegen die Schließung gesammelt. 1108 Unterschriften hat sie zusammenbekommen. Die hat sie zuerst an den Bezirksbürgermeister geschickt.

Heinz Buschkowsky tut, was er kann. Aber seit 1989 ist die Post ja keine Behörde mehr, sondern ein privates Unternehmen und hier liegt wohl der Hase im Pfeffer: Post und Postbank sind schon lange kein gemeinsames Unternehmen mehr, die Postbank gehört jetzt zur deutschen Bank und baut ja in der ganzen Stadt großzügige, neue Bank-Filialen und schließt die umliegenden kleinen gemeinsamen Post-Standpunkte. Die Infrastruktur wird ausgedünnt, auf die Bedürfnisse der Menschen wird keine Rücksicht genommen. Soziale Verantwortung? Kein Interesse! Wer es zu Fuß nicht mehr zur nächsten großen Filiale schafft, es gibt ja Online-Banking und Geld-Automaten. Dass viele der älteren Generation dieses Angebot nicht wahrnehmen können, weil sich vielleicht nicht jeder einen Computer leisten kann, die Bedienung einen alten Menschen überfordert oder man sich vor Überfällen am Geldautomaten fürchtet – deren Pech, sagt man sich offenbar in einem Unternehmen, dessen Motto ist: „Unterm Strich zähl ich“. Auf der Webseite der Postbank kann man unter dem Menüpunkt „Nachhaltigkeit“ lesen: “Wir sind uns unserer sozialen Verantwortung bewusst und engagieren uns hierbei für unsere Mitarbeiter, unsere Kunden sowie die Gesellschaft.“ Aha. Für die Menschen in der Gropiusstadt ein Hohn.

Jetzt hoffen Marina Krüger und mit ihr viele tausend Gropiusstädter auf Klaus Wowereit – ihm hat sie die Unterschriften auch geschickt - und darauf, dass die Postbank ein Einsehen hat. Sie hat einen Brief an das Unternehmen geschickt. Vielleicht geschieht ja noch ein Wunder und die Schließung wird rückgängig gemacht: Für die alten Menschen hier wäre das schlicht ein Segen.

Ungethüm







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Die Aktionen zu „100 Jahre Bauhaus“ in der Gropiusstadt, 2019
 

ACHTUNG

Gropiusstädter Einrichtungen sind während der Corona-Pandemie folgendermaßen erreichbar:

Das  Gemeinschaftshaus ist derzeit geschlossen.
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Der Verein ImPuls steht für telefonische Beratung
weiter zur Verfügung Mo-Fr unter 90239-1415 und 0163 2100 582.
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Das Frauen-Café Gropusstadt: Telefonische
Beratung unter 602 46 17 oder per E-Mail unter frauencafe-berlin@gmx.de
zur Verfügung.
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Der Nachbarschaftstreff Waschhaus-Café ist erreichbar unter Tel. 303 614 12
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Das Nachbarschaftszentrum Wutzkyallee ist telefonisch unter 661 62 09
oder auch per E-Mail unter team@wutzkyallee.de erreichbar
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Telefonische Sprechstunden der Bürgerhilfe:
Dienstags 10-12 Uhr, donnerstags 10-12 Uhr.
Tel. 60250908.
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Selbsthilfezentrum Lipschitzallee 80 und Löwensteinring 13a.
Einzelberatungen nach tel. Anmeldung unter 605 66 00
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Stadtvilla Global. Angebote für feste Gruppen. Bitte erfragen unter Tel. 603 10 80.
Der Mädchenladen im Gemeinschaftshaus bleibt leider noch geschlossen.
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Lipschitzkids bieten ein eingeschränktes Angebot und vor allem draußen. Tel. 29 36 88 43
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Wilde Hütte. Angebote finden für bis zu 10 Mädchen statt. Tel. 604 10 93
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Jugendclub Ufo. Bitte vorher anmelden am Tag des Besuches zwischen 10-14:00 Uhr unter 60 33 355.
Pro Anmeldung gibt es ein Besuchszeitfenster von 2 Stunden. Bei Eintritt muss ein Ausweis (Schülerausweis, Personalausweis) und eine Telefonnummer eines Erziehungsberechtigten vorgezeigt werden.
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Diakonie Haltestelle Neukölln Süd. Ab 02.06.: Mo.-Fr. von 9 bis 17 Uhr für telefonische Anfragen/ Beratungen und nach Terminvereinbarung auch wieder persönliche Beratungen. Unsere offene Sprechstunde bleibt geschlossen, Gruppenangebote für Menschen mit einem Pflegegrad ebenfalls. Tel. 39 20 62 91.